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Den fünften Sieg in Folge holen – das war die Maßgabe der Uni-Riesen für den 28. Spieltag in der zweiten Basketball Bundesliga ProA. Zu Gast in der Arena waren die ETB Wohnbau Baskets aus Essen, die zuletzt Anfang November auswärts erfolgreich waren, aber jeden Punkt im Abstiegskampf dringend brauchen konnten. 650 Zuschauer sahen ein zunächst mäßiges Spiel mit Vorteilen für Essen, dann aber eine heftig spannende Schlussphase - mit dem besseren Ende für die Uni-Riesen.

Das erste Viertel begann recht punktearm, weil keines der Teams sich unter dem Korb durchsetzen und erfolgreich abschließen konnte. Erst nach anderthalb Minuten machte Adam Sollazzo per Freiwurf die ersten Punkte des Spiels. Freer und Simon erhöhten zur 6:0-Führung für die Riesen, ab da aber wurde das Spiel zu einer Zitterpartie um jeden einzelnen Korb. Denn gelang es den Riesen zunächst, mit einer starken Defensiv-Leistung die Gäste zu Fehlern zu zwingen, konnten die im weiteren Verlauf ihr Spiel etablieren und zunehmend häufiger erfolgreich in die Leipziger Zone eindringen. So erkämpfte Essen zur Viertelhälfte eine 8:9-Führung, die es dank fehlender Leipziger Gegenwehr bis zur Viertelpause behauptete (21:24).

Auch das zweite Viertel startete verhalten. Nachdem Geoff McCammon seine Riesen auf 23:24 heranbrachte, passierte eine gute Spielminute wenig. Dann aber wurden die Wohnbau Baskets, die bis dahin ebenfalls eine hohe Fehlerquote hatten, konzentrierter im Spiel und konnten ihren kleinen Vorsprung auf fünf Punkte ausbauen und im Verlauf des Viertels halten. Zwischendurch sorgten die Uni-Riesen eher mit Einzelaktionen dafür, dass sie dran blieben. Wichtiger Punkt hier war ein Dreier von Nick Freer zum 28:32 nach sechs Minuten. Kaum eine Minute später hatte Essen den Vorsprung wieder ausgebaut zum 28:35. Adam Sollazzo konterte – erneut mit einem Dreier – zum 31:35. Doch wirklich rankommen konnten die Riesen zu diesem Zeitpunkt nicht, lagen eine gute Minute vor Schluss mit 33:39 zurück. Ein gutes Spiel war es in dieser Phase aber ohnehin nicht. Essen versiebte gleich zwei Freiwürfe, Sollazzo versuchte zu eilig zum Abschluss zu kommen und verwarf. Kurz vor dem Ende fiel dann das 33:42 für Essen – mit diesem Rückstand gingen die Uni-Riesen in die Halbzeit.

Nach der Pause nahm das Spiel Fahrt auf – beide Teams verwandelten ihre Würfe jetzt häufiger, und beide gingen schneller in ihren jeweiligen Gegenstoß über, wenn ein Wurf verhindert oder ein Ball gestohlen wurde. Insgesamt gelang es den Uni-Riesen aber nicht, deutlich näher an Essen heranzukommen. Zur Viertelmitte betrug der Abstand noch immer sieben Punkte (44:51), und auch in der zweiten Viertelhälfte fanden die Riesen kein Mittel, die Essener Offense zu stoppen, die nach wie vor jederzeit alle Möglichkeiten hatte, in die Leipziger Zone einzudringen und dort zu punkten. Zur Viertelpause stand es 54:61.

Auch im letzten Viertel gelang es den Uni-Riesen zunächst nicht, ihre Fehler im Pass- und Wurfverhalten konsequent abzustellen. Auch die Defense der Gastgeber blieb weiter löchrig, sodass Essen nach wie vor zu häufig mit einfachen Pässen unter den Korb kam und dort verwandelte. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung der Gäste elf Punkte (58:69). In dieser Phase entschieden die Schiedsrichter gleich zweimal auf technisches Foul: zunächst gegen Schaffartzik, sodass Essen zu vier Freiwürfen am Stück kam (aber nur einen verwandelte), danach gegen Tyrna, der damit sein fünftes Foul hatte und vom Feld musste. In der Folge lagen die Riesen zur Viertelmitte mit 58:73 zurück, Simon verkürzte mit Korb und Freiwurf zum 61:73. Schaffartzik und Sollazzo trafen weiter zum 66:75. Rund 650 Zuschauer trieben ihr Team an und machten die Arena Leipzig zu einem Tollhaus wie schon lange nicht mehr. Die Riesen traten jetzt in der Offense etwas sicherer auf. Nick Freer verkürzte zum 72:77, Adam Sollazzo verwandelte Freiwürfe zum 74:77. In einem Angriff gelang es den Riesen eine Minute vor Schluss in gleich mehreren Versuchen nicht, einen Dreier zu werfen. Walter Simon zog 28 Sekunden vor Schluss ein Foul und verwandelte beide Freiwürfe zum 76:77, sodass Gäste-Coach Igor Krizanovic noch einmal eine Auszeit nahm. 17 Sekunden vor Ende zwang Schaffartzik mit seinem fünften persönlichen Foul Essens Marco Buljevic zum Freiwurf, der zwar beide verwandelte (76:79) - nun aber waren die Riesen noch einmal in Ballbesitz. Nach erneuter Auszeit verwandelte Goeff McCammon den dringend benötigten Dreier und brachte die Riesen in die Overtime.

Die ersten Punkte in der Verlängerung machte Essen per Freiwurf, Nick Freer antwortete mit einem Dreier zum 82:81. Nach einem erfolglosen Essener Angriff zog Walter Simon erneut ein Foul unterm Korb und verwandelte beide Freiwürfe sicher. Nach einem Leipziger Fehlpass konnte Joseph Henley allerdings auf 84:83 verkürzen. Auf der anderen Seite verwarf Nick Freer einen Freiwurf, verwandelte aber den zweiten. Essen glich aus (85:85), konnte aber einen erfolglosen Leipziger Angriff nicht zum Punkten nutzen. Eine Minute vor Ende verwandelte Fabian Franke nur einen von zwei Essener Freiwürfen, sodass Sollazzo im Gegenzug Leipzig 87:86 in Führung bringen konnte. Anschließend war es Joseph Henley, der zwei Essener Freiwurfchancen vergab. Nun konnten die Riesen die Uhr herunterspielen. Essen zwang Adam Sollazzo per Foul ebenfalls an die Freiwurflinie, der nur einen verwandelte, sich aber den Rebound sichern konnte, wieder gefoult wurde und beide Freiwürfe traf. In den verbliebenen 2.4 Sekunden konnte Essen nichts mehr tun und mussten den Riesen mit 90:86 den fünften Sieg in Serie überlassen.

"Kids Day" erfolgreich - Förderverein hofft auf weiteres Interesse

Am Rande des Spieltages präsentierte der Verein "Förderer der jungen Uni-Riesen e.V." den "Kids Day". So konnten Kinder sich vor und nach dem Spiel unter Betreuung spielerischen und sportlichen Aktivitäten widmen. Mehrere Grundschulen - unter anderem die Rahnschule oder die Grundschule Markkleeberg - hatten das Angebot angenommen, ein Freikartenkontingent abzurufen und so vielen Kindern den Besuch des Spiels zu ermöglichen. Dass sich das bei diesem Schlusskrimi für alle Kinder lohnte, ist eigentlich unnötig zu erwähnen.

Einen optischen Höhepunkt setzte die Dance Company Leipzig, die seit mehreren Spieltagen das Viertel- und Halbzeitpausenprogramm bestreitet. An diesem Samstag brachten sie zahlreichen Nachwuchs mit, sodass in der Halbzeitpause insgesamt 63 Kinder und Jugendliche die Zuschauer mit einer rund fünfminütigen Darbietung begeisterten.

Auch das Gewinnspiel "Moneyball", bei dem ein aus dem Publikum ausgeloster Zuschauer die Möglichkeit hat, 500 Euro zu erspielen (wieder nur ganz knapp gescheitert), ist von Mitgliedern des Fördervereins erdacht. Räumt auch zum letzten Heimspiel am kommenden Samstag gegen Crailsheim keiner die 500 Euro ab, gehen diese an die Jugend der Uni-Riesen.

"Wir selbst sind zu einem Teil ehemalige Basketballspieler. Zu unserer Jugendzeit hatten wir das Glück, gute Nachwuchstrainer zu haben, die sich auf diesen Job voll konzentrieren konnten", erklärt Dirk Rose, aktives Mitglied der Förderer der jungen Uni-Riesen. Heute aber müssten die meisten Jugendtrainer diese Arbeit ehrenamtlich verrichten, z.B. neben dem Studium oder der Hauptarbeit.

"Unsere langfristigen Ziele sind daher beispielsweise die Schaffung von Nachwuchs-Trainerstellen - idealerweise in Vollzeit. Damit ließe sich dann womöglich eine NBBL- oder JBBL-Mannschaft in Leipzig etablieren", so Rose weiter. Aber auch andere Aufgaben werden angegangen, für die der Verein personelle oder finanzielle Unterstützung braucht. "Wir sind für jede Hilfe dankbar", sagte Rose. Er kann wie andere Mitstreiter des Vereins z.B. über die Geschäfts- oder Pressestelle der Uni-Riesen erreicht werden.

Fakten zum Spiel

Q1  21:24  |  Q2  12:18  (33:42)  |  Q3  21:19  (54:61)  |  Q4 25:16  (79:79)  |  OT  11:7  (90:86)

Uni-Riesen Leipzig:

Freer (26), Schaffartzik (6), Simon (19), Beier, Spalke (2), Tyrna (4), Heinrich, McCammon (7), Sollazzo (26)

ETB Wohnbau Baskets:

Cook (23), Buljevic (16), Henrichs, Henley (9), Franke (7), Stutz (20), Bartels, Massing, Harbut (6), Christen (5)

Stimmen zum Spiel

Igor Krizanovic, Headcoach ETB Wohnbau Baskets

"Gratulation an meinen Kollegen. Es fällt mir sehr schwer zu gratulieren. Ich habe großen Respekt vor der Moral und der Serie der Mannschaft, aber ich glaube, heute haben wir uns größtenteils selber geschlagen. Das ist sehr bitter, aber es muss weiter gehen."

"Wir haben am Ende reihenweise falsche Entscheidungen getroffen, sind ein bisschen gelähmt gewesen, haben falsche Positionen gespielt. Die Krönung war natürlich die letzte Aktion, als wir aus dem Stand einen Dreier zum Ausgleich zuließen."

Martin Scholz, Headcoach Uni-Riesen Leipzig

"Kompliment an meine Mannschaft - an alle! Es gibt keinen besten Spieler im Team. Es gibt eine Mannschaft, und die gewinnt gerade. Alles andere ist zweitrangig."

"Grundsätzlich ist es schön, wenn man das Spiel gewinnt. Aber ja: in den ersten 35 Minuten haben wir nicht das gemacht, was uns in den letzten Spielen stark gemacht hat. Wir sind nicht dahin gegangen, wo es weh tut: nämlich unter den Korb. Da hat Essen mit Henley und Stutz zweifelsohne Stärken, aber das ist ja kein Grund, dort nicht zu agieren. Deswegen lagen wir während des gesamten Spiels hinten."

"In den letzten fünf Minuten haben wir dann wieder zu unserem Spiel gefunden. Wir wollten Essen in die Transition zwingen, weil wir wussten, dass sie dort Probleme haben. Dann hatten wir gerade noch zur richtigen Zeit unseren 8-Punkte-Lauf. Und dass dann Geoffrey den entscheidenden Dreier traf, der uns in die Verlängerung gebracht hat, freut mich sehr für ihn."

"Das fünfte Foul von Kevin Schaffartzik war sehr wichtig. Er wusste, er muss danach als Kapitän in dieser Situation vom Feld. Er hat sich damit für die Mannschaft aufgeopfert, und das ist Wahnsinn."

[Erläuterung: Schaffartzik hatte mit diesem Foul den vorletzten Angriff der Essener quasi abgebrochen. Essen verwandelte zwar die beiden Freiwürfe, aber Leipzig blieb im folgenden eigenen Angriff mehr Zeit, um den dringend benötigten Dreier zum Ausgleich und die Verlängerung zu erzielen.]

"Was ein Spieler wie Magnus in der Verlängerung gemacht, war richtig gut. Diese zwei, drei Hustle-Plays, dazu noch ein Rebound und Defensiv-Arbeit - das war klasse."

[Hustle-Play: wenn ein Spieler mit allen Mitteln versucht, in Ballbesitz zu kommen oder zu bleiben - auch, wenn er sich dabei auf den Boden hechten muss.]

[Fotos: Dirk Birnbaum / PK Fotografie]