Abteilung Bergsteigen

Am letzten Wochenende fand in Zinnwald der Miriquidi 2009 - ein 24-Stunden-Skilauf - statt. Miriquidi – Dunkelwald, so wurde vor der Besiedlung der riesige, undurchdringliche Wald in der Kammlage des Erzgebirges bezeichnet.

Die Benennung des 24 Stunden Laufes hat somit einen historischen Bezug zum Veranstaltungsort Zinnwald.

Der „Miriquidi“ ist der erste und einzige 24 Stundenskilanglauf in Deutschland. Unter dem Motto „Alte Werte neu entdecken“ wird der Wettkampf im klassischen Stil ausgetragen. Für den Lauf gibt es drei Startklassen. Einzelstarter, Zweier,- und Viererteams. Nach den zwei mehr oder weniger ausgefallenen Versuchen 2007 und 2008 sollte es dieses Jahr der dritte und im Ernstfall auch der letzte Versuch werden. Doch aller guten Dinge sind nunmal drei und so war in diesem Jahr alles perfekt: das Wetter, der Schnee und die Organisation.

Nun sind wir zwar nicht die geborenen Skiläufer, aber da wir auf dem Papier ja mittlerweile auch Triathleten sind, haben wir uns mal angemeldet. Wir wählten die etwas weniger hirnrissigere Variante eines Viererteams mit der Besetzung: David, Tino, Matthi und meiner Person.
In den letzten Tagen vorm Start mehrten sich zwar die Zweifel an der Sinnhaftigkeit, aber der Vorteil einer derartigen Mannschaftsveranstaltung ist, das keiner sich so richtig aus der Misere stehlen kann. Mitgefangen, mitgehangen - um mal wieder 5 Euro ins Phrasenschwein zu stecken.
Und hier die Ereignisse in chronologischer Abfolge:

10:30 Bei der Ankunft am Samstag Vormittag wurde uns schon unser Amateurstatus etwas bewusst. Nicht nur, das wir keinen Wachsbock mithatten, nein wir hatten nicht mal einen Wachsmeister samt kompletten Servicemodul mit. Ok, dachten wir, scheinbar brauchen das die Skifahrer unbedingt. Sonst können die nicht, wir machen das auch ohne Wachsprofis! Dachten wir!

12:00 Beim Massenstart waren wir noch auf Augenhöhe, nach dem Startbereich war es dann damit vorbei. Ich bekam erst einmal eine Demonstration in der Leistungsfähigkeit modernster Chemie. Während ich versuchte wenigstens sowas wie Doppelstockschub zu simulieren, flogen die anderen vor mir regelrecht durch die Loipe. Das sollte sich auch in den nächsten 24 Stunden nicht wirklich ändern. Auch verschiedene Versuche mit Nachwachsen brachten keine echte Verbesserung der Situation. Nach der ersten Runde konnten wir zwar noch auf Platz 6 wechseln, aber das war es dann auch. So war relativ zeitig abzusehen, das es maximal um einen Platz im Mittelfeld gehen sollte. Mehr war halt bei dem vorhanden Personal und Material nicht drin.
Wir hatten uns eine Taktik mit Wechsel nach jeder der 6,3km langen Runden ausgedacht und so wechselten wir auch fleissig: Ronald auf Matthi, der auf David und dann zum Schluss Tino. Die Pausen dazwischen verbrachte man mit Nahrungsaufnahme, Quatschen oder einfach nur Rumdösen.

17:00 Jetzt wurde das Licht knapp und die Stirnlampen (vielen Dank an dieser Stelle an die Firma Krah für die freundliche Unterstützung ) kamen zum Einsatz. Für die nächsten gut 14 Stunden sollte es jetzt im einsamen Lichtkegel durch den dunklen Winterwald gehen.

22:00 Geplant war es, die Nachtstunden in Zweierteams mit Wechsel nach jeder Runde zu laufen, damit man wenigstens zu 4 Stunden Schlaf kommen könnte. Ich wechselte mich zuerst mit Tino ab. In den Pasuen zwischen dem Laufen wechselte man die Sachen und hing in der Halle bei Tee und Schmalzstullen ab. Mit fortlaufender Zeit wurde jede Runde immer schwerer und eben auch langsamer.

02:30 konnten wir dann mit Matthi und David wechseln. An Schlaf war allerdings in der Halle mit 80-100 Leuten und dem entsprechenden Umgebungsgeräuschen und Gerüchen nicht zu denken. So lag man im Schlafsack und wartete, das die Zeit vergeht.

05:30 Ich war nicht ganz so unglücklich als David auftauchte und fragte, ob ich seine Runde übernehmen könnte. Also schnell raus aus dem Schlafsack und endlich mal wieder in die Spur.

07:00 Der Morgen brach mit dem typischen nebeligen Zinnwaldwetter an. Und wir zogen weiter unsere Runden. Zum Frühstück gab es endlich mal Abwechslung. Anstatt von Nudeln mit Tomaten- oder Gulaschsoße, Schmalzstullen oder Salami- bzw. Käsebrötchen gab es leckere Nutellabrötchen. Das machte es ein wenig erträglicher. (Ich kann momentan keine Nudeln mehr sehen.)

10:00 Langsam näherte es sich dem Ende. Mit ein wenig Rechnen ermittelten wir, wieviele ganze Runden wir noch schaffen würden. Es gab ja auch noch die Chance wenigstens einen Platz gut zu machen.Mit ein wenig Beeilung sollten es noch 4 Runden werden.

11:23 Der letzte Wechsel. Ich hatte somit noch gute 35 Minuten für die letzte Runde. Aber eben auch noch unsere direkten Widersacher knapp 3 Minuten vor mir. Also nochmal flinke Füsse. Auf der Runde habe ich dann auch noch einen Bekannten getroffen. Leider ging es um jede Sekunde, also konnte ich nur kurz ein 'Hallo' hecheln. Am langen Anstieg hatte ich dann die Konkurrentin ein.

11:50 Endlich sind wir im Ziel. Platz 13 bei 44 gelaufenen Runden. Das entspricht 277,2 km.

Fazit
Eine tolle Veranstaltung. Liebevoll und familiär und trotzdem professionell organisiert. Es war härter und schwerer als erwartet. Und mit ein wenig Abstand könnte man auch über eine nochmalige Teilnahme nachdenken. ;-)

Originaltext hier: http://rs67.blogspot.com/2009/01/im-dunklen-wald.html

 

 

Kontakt

Abteilungsleiter
Ronald Speer